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Rezension Glöckler

Christoph Glöckler 

 

Männer Herzen Fühlen – Eine Reise aus der Ohnmacht in die Kraft.  (Vlg: Zeitfracht Medien GmbH. / Erfurt, 2025)

Der Autor spricht im Buch viele brisante Themen, spannende Erfahrungen und Sichtweisen an. Sich darauf einzulassen, lohnte sich, besonders für mich als Frau. Das Buch war ein guter Begleiter und Gewinn. Dem Autor ist es gelungen, mich auf eine spannende, überraschende und teilweise auch etwas herausfordernde, innere Reise in die Psyche eines Mannes mitzunehmen. Er wuchs mit starken, selbstbewussten Frauen auf und wusste nicht wohin mit seiner männlichen Sensibilität. Anhand persönlicher Erlebnisse kann man an dem Buch miterleben, wie sich das Herz eines sensiblen Jungen verhärtet und die Flucht in den Verstand...

 

...der einzige Ausweg zu sein schien. In einer „verkopften Männerwelt “ konnte er den unsicheren emotionalen Raum verlassen: „Als Kind galt ich als sehr empfindsam. Doch mit der Zeit baute ich mir eine immer größere Mauer um mein Herz. Meine Sensibilität legte ich beiseite und trainierte meinen Verstand.“ 

Zunächst diente der Vater – später ganz allgemein der weiße, heterosexuelle Mann als Projektionsfläche für alles Übel, ohne ihn würde es uns allen besser gehen. Als immer deutlicher wird, dass er mit dieser Sichtweise auch nicht weiterkommt, und dass das Denken alleine, nur eine Schutzmauer ist, um nicht zu fühlen, macht er eine Entdeckung: „Wenn ich den Körper in das Denken und Fühlen miteinbeziehe, ändert sich für mich alles“. Der Körper gibt ihm die Sicherheit, die er nicht mehr im Denken suchen muss. 

Erst der Zusammenbruch bringt die Wende, jetzt beginnt sein mühsamer Weg der Aufarbeitung. Parallel zu ehrlichen, schonungslosen biografischen Einblicken hält das Buch noch eine weitere Quelle an schonungslos ehrlichen Denkanstößen parat: Es deckt auf, wie die Abwertung des Männlichen salonfähig wurde, ja sogar selbst von Männern vorangetrieben wurde und wird. Und Glöckler zitiert an dieser Stelle den früheren Feministen Warren Farrel: „Wenn Frauen Männer kritisierten, nannte ich das ‚Erkenntnis‘ oder ‚Selbstbehauptung‘, ‚Frauenbefreiung‘, ‚Unabhängigkeit‘ oder ‚entwickeltes Selbstbewusstsein‘. Wenn Männer Frauen kritisierten, sprach ich von ‚Sexismus‘, ‚männlichem Chauvinismus‘, ‚Abwehr‘, ‚Rationalisierung‘ und ‚Backlash‘.“ 

 

Diese Lese-Reise führt auch über einige Minenfelder, wie zum Beispiel, dass Gewalt ausgehend von Frauen meist unsichtbar stattfindet, was den Mann und besonders sein Herz tief verletzen kann. Emotionale Wunden, ja Vergewaltigungen und emotionale Grenzverletzungen, ausgehend von Frauen oder Müttern, sind bislang gesellschaftlich kein Thema, beeinflussen aber enorm unser ganzes, soziales Miteinander. 

 

Christoph Glöckler schreibt: „Es scheint einen Unterschied zwischen Männern und Frauen zu geben. Leonie hat es so beschrieben: 'Der männliche Gefühlsraum ist nach innen und der weibliche ist nach außen gerichtet.' ...“. Eine interessante Mitteilung! Wenn man darum weiß, dass mit der Natur verbundene Völker den Brustbereich als Stärke-Pol der Frauen erkannt haben und als der Verletzlichkeits-Pol bei den Männern. Der Verletzlichkeits-Pol der Frau hingegen ist der nach innen gewandte Schoßbereich, der beim Mann als nach außen gerichteter Kraft- und Stärke-Bereich erkennbar ist. 

Der Autor schreibt weiter: „Das Problem ist, dass beide Seiten nicht wirklich wissen, damit umzugehen. Im Drama kann eine Frau sehr gewaltvoll auf mein Herz einwirken. Und sie weiß meistens nicht, wie sensibel dieses Organ eigentlich ist. ... Sie kann es auch gar nicht wissen, weil sie es nicht spürt. Denn mein Herz ist taub (geworden) und gibt keine Rückmeldung. ... Ich will nicht ewig auf der Analogie von Brustraum und Vagina herumreiten, denn sie sind ganz unterschiedliche Organe. Aber der Vergleich ist insofern hilfreich, denn wir Männer können viel von der heilsamen Arbeit lernen, die zahlreiche Frauen in den letzten Jahrzehnten an ihrer Vagina angewandt haben. ... Frauen sind durch Körperarbeit an ihre Schichten von Taubheit, Trauma und Schmerz gekommen. Der weibliche Schoß ist gebrandmarkt von viel Gewalt, welche die Frauen in den letzten Jahrtausenden erlitten haben. Wir können diese Erfahrung nutzen, um auch unsere Schmerzpunkte im Brustraum zu bearbeiten.“      

 

Das macht mich betroffen!! – Wie oft habe ich selbst solche Wunden geschlagen? Vielleicht ohne es zu wissen! Niemand spricht darüber, niemand nimmt das wirklich ernst! Wir Frauen wünschen uns sensible Männer die unsere Bedürfnisse erspüren, uns verstehen und anerkennen und übersehen dabei gerne, dass auch Männer verletzlich sind und Bedürfnisse haben, auch wenn diese vielleicht anders geartet sind. 

Es ist tröstend für mich, dass hier ein Mann einen Weg beschreibt, wie es möglich sein kann, das eigene Herz wieder zu weiten, zu öffnen und Verhärtungen zu lösen. Auch als Frau fühle ich mich da angesprochen, um wach zu werden für eigene Verhärtungen. Auch wenn es erst der Beginn ist, wie Christoph Glöckler schreibt. 

 

Zum Schluss noch ein Zitat aus diesem Buch: „Wenn wir unser Herz im Kontakt mit unserem Gegenüber und der Welt offenhalten können, dann ist unser Denken und unser Handeln davon durchdrungen. Dann geht weniger Gewalt von uns aus. Gewalt entsteht, wenn das Herz verschlossen ist.

 

Autor:

Christoph Glöckler, geboren 1987 in Schweinfurt, hat Elektrotechnik studiert und ist staatlich anerkannter Erzieher. Er arbeitet freiberuflich als Autor, Referent, Pädagoge, somatischer Coach und Musiker. Sein Schwerpunkt liegt auf Themen der Verkörperung, Lebendigkeit, Herzensbildung und Bewusstseinsentwicklung. Zudem ist er Herausgeber des Podcasts „Shaking up Waldorf“.

„Männerherzen fühlen“ – Gespräch zum Buch mit Ilan Stephani:

https://www.youtube.com/watch?v=UXCHWvDLxmA

​Podcast zum Buch: Männerherzen fühlen / Kapitel 1: Sohn keines Vaters

https://www.youtube.com/watch?v=ck9vtAEFKV8

5 von 5 Sternen – Lisa

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