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Rezension Patricia Allen

Patricia Allen / Sandra Harmon

Kein Mann für eine Nacht." (Original in Englisch: „Getting to ‚I do‘!“)

 

Das Buch wurde nicht nur in den USA ein Bestseller. Die Autorin plädiert dafür, sich VOR dem Start einer gewünschten Partnerschaft klar zu werden, ob man (als Frau bzw. Mann) eher die männliche ODER die weibliche Energie für sich selbst bevorzuge; die „gebende“ oder die „nehmende“. Alles andere ergäbe sich in der Folge zwischen beiden Partnern als „selbstverständliche Konsequenz“. Von der Idealisierung heute propagierter, politisch korrekter „Gleichheit-in-der-Partnerschaft“ hält die Autorin nichts. – Wer meint, die Zukunft der Geschlechter geht nur – einander ergänzend – gemeinsam, für den / die ist dieses Buch m. E. sehr bereichernd, ja – Pflichtlektüre. 

Das vorliegende Buch ist von 2 Frauen und primär für Frauen geschrieben. Dennoch: Ich habe daraus – auch als (m. E. weiblicher) Mann – sehr viel Essenzielles mitgenommen, auch wenn es in einigen Aspekten speziell pragmatisch konzipiert scheint. 

 

Was die Psychologin Dr. Patricia Allen ihren Leser(inne)n auf spannenden 320 Seiten mitgibt, ist nicht mehr und nicht weniger als der Weckruf bzgl. einer ganz bewusst getroffenen Entscheidung: Zur Ergänzung des Weiblichen und Männlichen / des Männlichen und Weiblichen zwischen beiden Partnern in einer Langzeitbeziehung. Warum: Weil Partnerschaft so geht. Alles andere (männlich trifft auf männlich) führe aus sich heraus zu Konkurrenz. Allen: „Gegen einen gesunden Narzissmus ist nichts einzuwenden; denn dahintersteht, dass jeder von uns das Recht hat, eine ganze Person – mit all ihren männlichen und weiblichen Qualitäten – zu sein. Jede/r von uns hat das Recht zu denken und zu fühlen. Jeder von uns hat ein Recht auf seinen eigenen Körper. Wir haben das Recht ein Individuum, getrennt von allen anderen zu sein. So sind wir an dem Punkt angelangt, an dem wir alles sein können, was uns selbst und allein angeht, wenn wir es möchten. Aber das Problem ist: Wie kommen wir zusammen?“ (S. 26) 

In dutzenden Fallbeispielen beschreibt die Autorin auch für einen kritischen Geist (wie mich) gut nachvollziehbar, was sie in ihrer jahrzehntelangen Praxis mit Paaren erkannte. „Leslie und Mark glaubten an die Gleichberechtigung. Was für sie hieß, dass ihr Denken vom jeweils anderen respektiert und ihre Gefühle gewürdigt wurden, gleichermaßen. Leider ist es in einer Liebesbeziehung nun aber so, dass die Duplikation von Ansprüchen gleich Konkurrenz bedeutet. … Sie fragte sich, wo es bei ihr haperte. Warum klappte es bei ihr mit keiner Beziehung? Warum schien jeder Mann gemüßigt, mit ihr konkurrieren zu müssen?“ (S. 40ff). In Liebesbeziehungen zieht das einander an, was sich ergänzt; Personen, die sich ähnlich sind, stoßen einander

ab.“ (S. 179)

 

Ein sehr zentrales Kapitel des Buches war für mich Kapitel 3: „Die Entscheidung: Will ich respektiert oder verwöhnt werden?“ Patricia Allen schreibt hier gleich zu Beginn: „Das Scheitern von Beziehungen ist oft vorprogrammiert, weil wir mit konfusen Bedürfnissen und Erwartungen an unsere Beziehungen herangehen. Um diesbezüglich Klarheit zu gewinnen, sollten Sie sich die Frage stellen: Welches ist mein größtes Bedürfnis – dass meine Gefühle gewürdigt oder dass meine Gedanken respektiert werden? – Wenn es Ihnen wichtiger ist, dass Ihre Gedanken respektiert werden, dann entscheiden Sie sich, dass Sie die ‚männliche‘ Energie sein wollen; und wenn es Ihnen wichtiger ist, dass Ihre Gefühle gewürdigt werden, dann entscheiden Sie sich, dass Sie die ‚weibliche‘ Energie sein wollen.“ (S. 47) – Die Psychologin formuliert da sehr deutlich: „Frauen (und Männer),

die alles wollen, enden damit, dass es niemanden gibt, den sie lieben können.“ (S. 26) 

 

Kapitel 7 hat es mir im Besonderen angetan. Titel: „Was Frauen mit maskuliner Energie sich von Männern mit femininer Energie wünschen (Und was Sie ihnen geben müssen, um zu bekommen, was Sie wollen)“: „Als die maskuline Energie müssen Sie die angenehmen und sinnlichen Qualitäten Ihres Mannes schätzen und darauf eingehen, ohne ihm mit Ressentiments zu begegnen oder den Respekt vor ihm zu verlieren. Wenn ein Mann sich für die weibliche Energie entscheidet, heißt das, wie bereits an früherer Stelle gesagt, nicht, dass er schwach ist. (Natürlich auch nicht bei einer Frau, die die weibliche Energie lebt. kp). Es heißt im Gegenteil, dass er genügend Selbstsicherheit haben muss, um Ihre Führungsrolle zu respektieren, und Ihnen seinerseits nicht mit Ressentiments begegnet oder versucht, Sie von Ihrem Sockel zu holen, indem er mit Ihnen konkurriert, wie es etwa bei einem maskulinen Mann denkbar wäre. Er genießt Ihre Vitalität und Dynamik und fühlt sich von Ihrer Intelligenz und Ihren Erfolgen in der Welt nicht bedroht.“ (S. 92f)    

 

Man / frau kann zu der im Buch charakterisierten Bedeutung derart ergänzender „Rollen“ stehen wie man / frau will. Ich persönlich (emp)finde daran MEHR als nur das Einnehmen „der-einen-oder-anderen-Rolle“: Unterschiedliche Qualitäten sind m. E. unterschiedliche Qualitäten und die gesamte Evolution baut letztlich auf derartigen Komplementaritäten auf, bzw. hat sich daran entwickelt: Tag / Nacht; Sommer / Winter; und eben: Männlich / Weiblich etc. Und auch wir Menschen haben daran Anteil – insofern wir nicht NUR „Kulturwesen“, sondern sehr wohl auch „Naturwesen“ sind. – Ob dies gewisse, heutige kultur-ideologische Strömungen 

anerkennen wollen oder nicht. 

 

Was ich mir aus der Lektüre im Besonderen mitnahm: Der- bzw. diejenige, welche/r für sich die männliche Energie (und damit das Vorschlagsrecht) für sich wählt, wählt damit zugleich – hoffentlich aus seiner Liebe – auch die Bereitschaft, nachzufragen, wie es dem / der anderen damit geht: Wie er / sie sich mit dem Vorschlag fühle, ohne „mit rationalen Argumenten einschüchtern zu versuchen, wie: ‚Wenn Du mich respektieren würdest, wärest Du einverstanden mit dem, was ich will‘ um dabei auf des anderen Kompromissbereitschaft zu setzen.“ (S. 96). Manche (männliche) Männer, aber auch heutige (männliche) Frauen, haben latente Ungeübtheiten damit adäquat liebevoll umzugehen. In jedem Fall, braucht es die Bereitschaft zur partnerschaftlichen Unterstützung, indem klar kommuniziert wird, was jede/r als jeweils verletzend fühlt. Um dran aufzuwachen – und zu wachsen. 

 

https://www.amazon.de/Kein-Mann-für-eine-Nacht/dp/3442139783

4,5 von 5 Sternen – Klaus

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